Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft
 
Abstand


Hagerhof-Schüler berichten von ihrem Entwicklungseinsatz in Burkina Faso



21. Januar 2010:
Gymnasium und Realschule Schloss Hagerhof
Menzenberg 13
53604 Bad Honnef

Tel.: 0 222 4 - 9 32 50
Fax: 0 22 24 - 9 325 25
E-Mail:
WWW: www.hagerhof.de


„Ist das wirklich ’Eine Welt’, in der wir leben?“ Diese Frage stellte die Hagerhof-Schülerin Sarah (18) im Schneetreiben am Kölner Hauptbahnhof auf der Rückfahrt vom Düsseldorfer Flughafen nach Bad Honnef. Die 13 Schülerinnen und Schüler, Lehrer Jürgen Berg und Erzieherin Elfriede Schneider  kamen gerade zurück von einem 12-tägigen Entwicklungseinsatz in Kienfangue, dem Partnerdorf  des Hagerhofs in Burkina Faso, Westafrika. Dort unterstützt die Bad Honnefer Schule seit 1996 eine Volksschule, eine Landwirtschaftsschule und eine Gesundheitsstation und hat dafür allein  in den letzten vier Jahren  beim alljährlichen „Arbeitstag für Afrika“ aller Schülerinnen und Schüler sowie durch Spenden und Patenschaften insgesamt rund 90 000 Euro eingesammelt. Die sachgemäße Verwendung  organisiert vor Ort die Supervisorin Rakieta Poyga, die sich zuletzt noch beim Tag der offenen Tür im November letzten Jahres auf dem Hagerhof persönlich für die Hilfe aus Bad Honnef bedankt hatte.

Die mit dieser Reise verbundenen Gegensätze konnten wirklich nicht größer sein: Schneetreiben im Rheinland, in Afrika bis zu 40°C im Schatten, hier der große Bahnhof, dort die Eselskarren. Hier Tausende gestresste, in verspäteten Zügen fluchende Menschen, dort die ruhige Gelassenheit und Gastfreundschaft der Armen. Hier der überall sichtbare Wohlstand, dort die tägliche Sorge ums Lebensnotwendige. Hier Isolation, Desorientierung und Zukunftsangst, dort Stolz auf die Möglichkeit des Schulbesuchs und Hoffnung auf ein besseres Leben nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Familie.…Und das alles zeitgleich in der „Einen Welt“.  

Die Hagerhof-Gruppe durfte 12 Tage zu Gast sein in Burkina Faso, eintauchen in das ganz Fremde. Sie sahen, dass der Fortschritt in „ihrem“ Partnerdorf Kienfangue Einzug hält: Im März wird das Dorf an die Stromversorgung angeschlossen. Ein neuer Schulbau ist fertig, auch schon verkabelt. Ein ehemaliger Dorfbewohner, der selbst dort seine Grundschulzeit verbracht hat und heute erfolgreicher Druckereibesitzer in der Hauptstadt ist, hat sich als großzügiger Mäzen erwiesen. Wasserleitungen führen jetzt von der Hauptstadt ins Dorf, es gibt immer mehr Mopeds und sogar Autos. Der Markt des Dorfes wird immer größer und attraktiver, auch für die Bewohner des ausufernden Rands der Metropole Ouagadougou.

Die Grundschule mit 423 Schülern in 6 Klassen ist im Schuljahr 2008/09 wegen hervorragender Examensresultate vom Erziehungsministerium ausgezeichnet worden. Der Schuldirektor lobt stolz die nachhaltige Arbeit des Hagerhofs:  „Das liegt an der täglichen warmen Mahlzeit für die Schüler, auch natürlich daran, dass alle Kinder Bücher und Unterrichtsmaterial besitzen, was in Afrika wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist. Ein weiterer Grund ist die kostenlose medizinische Behandlung aller Schüler in der örtlichen Gesundheitsstation und dass die Waisenkinder des Dorfes als Patenkindern der Hagerhofschüler die Schule besuchen dürfen.“

Im nächsten Jahr soll ein College entstehen, so dass auch eine weiterführende Schule im Dorf vorhanden sein wird.

Das Freundschaftskomitee des Dorfes ließ die deutsche Delegation in den Lehmhütten ihrer Gehöfte übernachten - eine unvergessliche Erfahrung für alle. Madame Poyga, die umtriebige Supervisorin, sorgt mit ihrem Verein BangrNooma („Wissen ist Macht“ oder heute besser gesagt: „Bildung ist der Schlüssel zur Entwicklung“), der sich eigentlich um Aufklärungskampagnen gegen weibliche Genitalverstümmelung kümmert, aktuell immer noch für die Opfer der überstarken Regenfälle von Anfang September 2009, bei der Tausende Menschen in Ouagadougou ihr Haus und ihren gesamten Besitz verloren. Ganze Stadtteile sind wie vom Erdboden verschwunden und bieten immer noch Zeltstädten Platz, in denen die Menschen ohne jede hygienische Grundversorgung leben müssen. Die Hagerhofschüler teilten während eines gesamten Sonntagvormittags Nahrungsmittel, Seifen und Decken an die Menschen aus, die dafür lange Schlange stehen.

Eine Schülerin: „Die Menschen sind so dankbar für die Unterstützung, ihre Gesichter werden uns lange vor Augen bleiben. ‚Barka, barka’, ‚Danke, danke“ so hörten wir beim Abschied immer wieder. Tröstlich: In der Einen Welt leben wir alle doch letztlich gar nicht so weit von einander entfernt.“