Sicherheit zuerst – überbetriebliche Ausbildung in Zeiten von Corona

Masken für Azubis
2. März 2021

Sicherheit zuerst – überbetriebliche Ausbildung in Zeiten von Corona

Der Betrieb im größten Zentrum für berufliche Bildung im Kreis Warendorf geht weiter. Die überbetriebliche Ausbildung der Produktions- und Landschaftsgärtner, der Straßenwärter, der Land- und Baumaschinenmechatroniker und der Landwirte wird auch in Zeiten von Corona möglichst weitergeführt, wie es der Ausbildungs-plan vorsieht. Aus ganz NRW, und manchmal auch aus anderen Teilen der Republik, kommen Azubis nach Warendorf, um in der DEULA Westfalen-Lippe ihre für den Ab-schluss einer Ausbildung notwendigen Seminare zu besuchen. Dass sich deshalb auf dem großen Parkplatz vor der DEULA Kennzeichen finden, die nicht aus dem Kreis Warendorf stammen, stößt dabei nicht bei jedem auf Verständnis. Oft wird ein Verstoß gegen die Corona-Schutzverordnung vermutet. Dabei legt die DEULA diese Schutzverordnung buchstabengetreu aus – in enger Abstimmung mit der Kreisver-waltung, dem Ordnungsamt der Stadt und der Bezirksregierung.

 

Aus der Begründung zur aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW

§ 1 Die betriebliche und überbetriebliche praktische Ausbildung unterfällt der durch

die Vorgaben des Arbeitsschutzes regulierten Arbeitswelt und nicht den nach den

Regelungen dieser Verordnung jetzt in Präsenz weitgehend unzulässigen

schulischen und sonstigen institutionsgebundenen Bildungsangeboten. Diese

Klarstellung ist aufgrund von Anwendungsfragen und zur Vermeidung von

Ausbildungsnachteilen erforderlich.

 

Das heißt nichts anderes, als dass die berufliche Bildung weitergehen soll und muss, und dass eine Einrichtung wie die DEULA Westfalen-Lippe als Bildungszentrum für die „grünen Berufe“ weiterarbeiten kann. Natürlich unter Einhaltung aller Maßnahmen zum Schutz vor Corona. Und hier hat die DEULA in Warendorf schon frühzeitig vor dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 ein umfassendes Hygiene-Konzept entwickelt, erklärt DEULA-Geschäftsführer Björn Plaas: „Zunächst einmal haben wir eine Risikobewertung durchgeführt und festgestellt, dass es hier sehr viel mit einem eher geringeren Risiko gibt: wir haben große Hallen mit Abstandsmöglichkeiten und viel Raumvolumen, wir sind mit vielen Lehrgängen auch draußen und wir unterrichten oft in Zwölfergruppen. Aber es gab auch neuralgische Punkte, die wir identifiziert und angepackt haben. Dazu haben wir ein Notfallteam eingerichtet, das Hygienemaßnahmen nicht nur für uns entwickelt und umgesetzt hat, sondern das diese Maßnahmen auch mit allen Behörden abgestimmt und an unsere Teilnehmer kommuniziert hat. Die halbe Miete beim Corona-schutz ist nämlich die Information! Die andere Hälfte ist Hygiene. Also haben wir Trenn-scheiben eingebaut, wo es nur ging, Verkehrswege einspurig gemacht, um Begegnungs-verkehr zu vermeiden, haben Reinigungs- und Desinfektionspläne detailliert und erweitert

– und vor allem haben wir geprüft, wie wir unseren Unterricht fortsetzen können, ohne un-sere Teilnehmer und unsere Mitarbeiter einem Ansteckungsrisiko auszusetzen!“

Heute, gut ein Jahr und zwei Lockdowns später, blickt die DEULA auf reichlich

Erfahrung im Umgang mit einer Pandemie zurück, aber auch auf viel Verunsicherung

seitens der Teilnehmer, seitens ihrer Arbeitgeber und seitens der eigenen Mitarbeiter

der DEULA. Der DEULA-Leiter Landwirtschaft, Heinz Nordhues, blickte mit seinen

Kollegen jeder neuen Schutzverordnung mit gemischten Gefühlen entgegen: „Wir

mussten jede neue Schutzverordnung genau lesen und haben sie jeweils nicht nur

umgesetzt, sondern oft auch noch präzisiert. Das hat die Arbeit für die DEULA-Lehrer

in den unterschiedlichen Fachbereichen ja nicht einfacher gemacht. Im Sommer galten ja zum Beispiel im Unterricht draußen andere Vorschriften als jetzt im Herbst

und im Winter. Und in den Unterrichtsräumen waren es erst 1,50 Meter Abstand,

dann 2 Meter, und jetzt sollen es am besten 10 Quadratmeter pro Person sein. Jede

neue Vorschrift wurde auf unseren speziellen Unterricht abgestimmt, mithilfe der

Behörden und mithilfe der Kollegen, die hier wirklich hervorragendes geleistet

haben!“

Beobachtet man den Unterricht, überraschen vor allem die jungen Menschen mit

ihrer Disziplin. Der Abstand wird gewahrt, intuitiv weichen die Azubis einander aus,

wenn es um die Arbeit an den Geräten und Maschinen geht – den DEULA-typischen,

praxisorientierten Unterricht. Masken sind selbstverständlich. Und sah man im

Sommer vielfach noch die selbstgenähten Masken mit schrillen Mustern und Motiven,

herrscht jetzt die Eintönigkeit hellblauer OP-Masken vor. Im Fahrschulunterricht,

beispielsweise für Berufskraftfahrer oder Straßenwärter, sind sogar FFP-2-Masken

vorgeschrieben.

Eine der angehenden Landwirtinnen ist Laura. Sie lernt auf einem Biohof im Herzen

des Sauerlandes und war schon im vergangenen Oktober für einen Lehrgang an der

DEULA und ist jetzt, zum Ende des Winters, wieder hier. Sie beobachtet ein deutlich ver-ändertes Verhalten ihrer Mitschüler seit Beginn des zweiten Lockdowns: „Ich finde, dass sich die Situation inzwischen deutlich verschärft hat. Was die Strenge der Regeln bei der

DEULA, aber auch was das Bewusstsein der Kursteilnehmer angeht. Im Oktober hat

man eine gewisse Corona-Müdigkeit bemerkt. Über den Sommer war nicht viel

passiert und das Risikobewusstsein war echt nicht da. Dauernd mussten die Lehrer

uns ermahnen, die Masken richtig aufzusetzen und Abstand zu halten.“ Inzwischen

hätten ganz viele eigene Erfahrungen mit Corona, so Laura: „Viele haben Freunde

und Angehörige, die betroffen sind oder waren. Und deshalb nehmen alle die

Maskenpflicht und die Abstandsregelungen auch viel ernster! Jetzt sind die

Vorschriften normaler Alltag.“

Trotzdem sind die Schutzvorschriften überall präsent. Überall Warnhinweise,

Desinfektionsmittelspender, Abstandsmarkierungen auf dem Boden. Madlen

Ortmann aus Schmallenberg fühlt sich wie viele andere Landwirtschafts-Azubis durch

die vielen Vorschriften schon etwas eingeengt. Besonders die Abstandsregeln und

die Maskenpflicht würden den praktischen Unterricht ziemlich kompliziert machen:

„Im theoretischen Unterricht ist das halb so schlimm. Aber wenn man ganz praktisch

an der Maschine lernt und etwas ausprobieren soll, muss man den Abstand zu den

Kollegen natürlich unterschreiten. Man hat zwar die Maske auf, aber es ist jedes Mal

ein Eiertanz.“ Das zeige natürlich, dass die Schutzmaßnahmen vor Corona jetzt

definitiv in den Köpfen der Menschen angekommen sind, meint Heinz Nordhues: „Wir

müssen ja gerade im praktischen Unterricht sowieso schon darauf achten, dass alle

ihre persönliche Schutzausrüstung richtig nutzen, also Gehörschutz oder die

Schutzbrille, falls erforderlich. „Seit Beginn der Krise weisen wir unsere Teilnehmer

zusätzlich auf die Hygieneregeln und Corona-Schutzmaßnahmen hin, besonders auf

das korrekte Tragen der Atemmasken und auf die Abstandsregelung. Das kommt

natürlich noch dazu“, erklärt DEULA-Leiter Landwirtschaft. „Es sind halt junge Leute,

auf die muss man eben ein bisschen aufpassen und manche Dinge auch

gebetsmühlenartig wiederholen!“

 

§15 Beherbergung, Tourismus, Ferienangebote

In der Begründung zur aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW heißt

es, dass die Vorschrift (zum Verbot von Übernachtungen) aus Gründen der

Verhältnismäßigkeit auf private Zwecke beschränkt und dadurch sichergestellt ist,

dass notwendige Übernachtungen, insbesondere für berufliche und geschäftliche

Zwecke, ausgenommen bleiben.

 

Die Teilnehmer der überbetrieblichen Ausbildung sind aus beruflichen Gründen in

Warendorf und müssen dort in den allermeisten Fällen auch übernachten. Essen und

Schlafen ist also erlaubt – mehr aber auch nicht! Dieser Aspekt der Schutzmaßnahmen wird zwar auch akzeptiert, aber eher zähneknirschend: „Für uns ist es nach Feierabend ja schon ein Highlight, wenn wir zu Fuß zum Supermarkt gehen und uns Süßigkeiten für den Abend kaufen können“, erklärt Madlen Ortmann.

Tatsächlich wurde das sonst übliche Abendprogramm, das die Gäste des

Bildungszentrums sonst in Anspruch nehmen können, aufgrund der

Schutzbestimmungen gestrichen. Das DEULA Bistro ist geschlossen, Darts und

Billard und ein gemütliches Treffen nach Feierabend fallen aus. Da kann man froh

sein, wenn man sich wie Madlen und ihre Freundin Hanna ein Zweibettzimmer teilen

kann: „Wir sind schon zusammen hergefahren und sind auch privat befreundet. Also

war das mit dem Zweibettzimmer total in Ordnung. Dann ist es abends nicht so

langweilig. Wir gucken mal einen Film zusammen und haben sogar schon Schiffe

versenken gespielt. Dann geht der Abend auch rum. Man ist nach einem Tag an der

DEULA sowieso schnell müde.“ Wer wie Laura ein Einzelzimmer bewohnt, hat

weniger Unterhaltung. Und das Winterwetter macht Sport im Freien auch so gut wie

unmöglich. Das soziale Miteinander während der Lehrgänge in Warendorf war immer

ein wichtiger Bestandteil der überbetrieblichen Ausbildung an der DEULA. Die

Einzelzimmerregelung und das Versammlungsverbot erzeugen jetzt natürlich

überwiegend Frust. Dass die jungen Menschen sich nicht über die Regeln

hinwegsetzen, dafür sorgt in den Abendstunden eigens der DEULA-Kollege Eugen

Kliewer. Er sorgt nicht nur an den DEULA-Gästehäusern für Ordnung, sondern auch

in den zahlreichen Hotels, in denen die DEULA ihre Azubis aufgrund der

Einzelzimmerregelung unterbringen musste.

Die meisten Hygienemaßnahmen der DEULA laufen dagegen eher im Hintergrund

ab und werden von den Teilnehmern kaum bemerkt. So ist das Team von Haus und

Hof permanent mit Putzen beschäftigt. Alle Oberflächen, die von Menschen berührt

werden, werden in kurzen Abständen desinfiziert: Türklinken, Treppengeländer,

Lichtschalter, Tische. Laura Isenberg hat das besonders in der Kantine wahrgenommen: „Kaum steht jemand von seinem Platz auf, wird der gesamte Tisch abgewischt, noch bevor sich der Nächste setzen kann. Und eine Unterhaltung während des Essens ist gar nicht so einfach wegen der Einzeltischregel.“

Der Weg zur Kantine wurde schon zu Beginn der Schutzmaßnahmen im März vergangenen Jahres zur Einbahnstraße mit Abstandsmarken. Begegnungsverkehr soll so ausge-schlossen werden. Auch bei der Essensausgabe wird streng auf Abstand und Hygiene geachtet. Das war zwar auch vor Corona so, aber die Schutzvorschriften haben die Abläufe noch weiter präzisiert. Geduldig, aber bestimmt, werden Neulinge auf den korrekten Ablauf hingewiesen. Deshalb werden die Kurse auch zeitlich gestaffelt zum Mittagessen geschickt – so werden Warteschlangen und damit Verstöße gegen die Abstandsregel ver-mieden. Auch die Wege zur Anmeldung im Verwaltungsgebäude wurden streng geregelt und markiert. Inzwischen hat man sich aber auch daran gewöhnt. Genauso wie an die Tat-sache, dass man die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Verwaltung jetzt nur noch durch Plexiglasscheiben sieht. Die sind inzwischen soweit perfektioniert, dass sie aussehen, als wären sie schon immer Teil der Einrichtung an den beiden Empfangstresen.

DEULA-Geschäftsführer Björn Plaas hat gerade 2.000 FFP-2-Masken vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW entgegengenommen. Sie sollen dem Schutz der Azubis an der DEULA dienen. Wohlgemerkt nicht nur dem Schutz der Landschafts-gärtner-Azubis, erklärt der Vizepräsident des Vereins Reinhard Schulze-Tertilt: „Das ist eine Geste der Unterstützung für die Bemühungen der DEULA, den für die grünen Berufe insgesamt so wichtigen Ausbildungsbetrieb am Laufen zu halten. Hier wird wirklich alles Menschenmögliche getan und dazu wollen wir etwas beitragen!“ Björn Plaas zeigte sich von dieser Geste sehr bewegt und versprach, die Masken allen Azubis, die Bedarf haben, unmittelbar zur Verfügung zu stellen: „Am Ende kommt es darauf an, dass wir alles tun, um die Verbreitung der Pandemie unter unseren Gästen zu vermeiden. Hundertprozentige Sicherheit gibt es hier genauso wenig wie im Lebensalltag der Menschen außerhalb der DEULA. Aber so viel, wie wir hier tun, muss das Ansteckungsrisiko nach menschlichem

Ermessen in der DEULA eigentlich geringer sein als an ganz vielen anderen Orten!“ 1.658 Wörter 11.831 Zeichen

 

Über die DEULA

Die DEULA ist ein modernes Bildungszentrum für die Jugend- und Erwachsenenbildung im Kreis Warendorf und eine der bedeutendsten überregional tätigen Einrichtungen im agrartechnischen Be-reich. Neben der überbetrieblichen Ausbildung und der beruflichen Weiterbildung führt sie Qualifizierungen und Umschulungen sowie berufsorientierende und berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen durch. Ihr Leis-tungsspektrum umfasst mehr als 100 Bildungsangebote, vom 1-tägigen Seminar bis zur mehrjährigen Um-schulung.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: SiebenEichen Kommunikation Mike Atig 02584-413 000 oder 0173-26 33 895 info@mikeatig.de