Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft
 
Abstand


Nachbericht: Inklusion.NRW.4.0 - Welche Standards braucht Inklusion in einer guten Schule 2020?

Mit diesem neuen Veranstaltungsformat hat sich der Landesverband am 30. März im Landtagswahlkampf positioniert. Von den Teilnehmern aus der Landespolitik (die schulpolitischen Sprecherinnen Yvonne Gebauer (FDP), Sigrid Beer (Grüne) und Monika Pieper (Piraten); SPD-Schulausschussmitglied Iris Preuß-Buchholz und von der CDU die Referentin für Inklusion Ulrike Hüppe) dem Schulministerium, von Inklusionsverbänden und von inklusiv arbeitenden freien Schulen erhielt der VDP eine durchweg positive Resonanz. So bedankte sich Grünen-Politikerin Sigrid Beeram Ende für die interessante Veranstaltung: „Diskussionen wie diese sollte es mehr geben. Hier habe ich viele Anregungen aus der Praxis für meine politische Arbeit mitgenommen“.


Gastgeber waren die Freien Aktiven Schulen Wülfrath, die auf langjährige Erfahrungen in der Inklusion zurückblicken. Bei einer Schulführung informierten sich die vierzig Teilnehmer über das Konzept der Schule, bei der früher im Schnitt 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen anerkannten Förderbedarf hatten. Nach Umsetzung des 9. Schulrechtsänderungsgesetzes – und der damit verbundenen nicht mehr auskömmlichen Refinanzierung für die Förderbedarfe Lernen, emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache – ist der Anteil auf etwa 10 Prozent gesunken. Die freie aktive Schule beschränkt sich die nun weitgehend auf die Förderbedarfe geistige und motorische Entwicklung, da eine angemessene Förderung nicht mehr zu leisten sei.

Nach dieser Einstimmung diskutierten die Teilnehmer in Kleingruppen fünf unterschiedliche Fragestellungen zur Inklusion, von der Lehrerausbildung über die Unterstützung durch digitale Medien oder die Öffnung der Lehrerstellen für Sonderpädagogik für andere pädagogische Berufe bis hin zu den Grundsatzfragen, wie eine alternative Förderung von LES-Schülerinnen und Schülern aussehen könnte und  wie viel Ressourcen inklusive Beschulung benötigt?

Ziel war es nicht, eine Grundsatzdiskussion zu führen. Stattdessen sollte eine Zwischenbilanz nach drei Jahren Umsetzung der Inklusion gezogen werden. Es sollte aufgezeigt werden, wo Verbesserungsbedarf und –möglichkeiten bestehen, wie gegebenenfalls mit kleinen Stellschrauben viel zum Positiven geändert werden kann.  Dabei zeigte sich die große Expertise der Diskutanten, die es in dieser Form nur an Schulen in freier Trägerschaft gibt. Neben teilweise bereits seit Jahrzehnten inklusiv arbeitenden Ersatzschulen bereicherten vor allem auch die Vertreter der Ergänzungsschulen den Austausch. Freier in der Gestaltung des Unterrichts, eingebunden in ein anderes Finanzierungsystem (in weiten Teilen über die Jugendhilfe) öffnete dies den Blick für ganz neue Ansätze.  An allen Tischen wurde ausgesprochen lebhaft diskutiert und die Vertreter der Parteien und des Schulministeriums machten sich bereits während der Diskussionsrunde Notizen. Die vielfältigen, praxisnahen Anregungen haben wir ausführlich in unserer Sonderinfo zusammengefasst und unseren Mitgliedern und den Teilnehmern zur Verfügung gestellt. Bei Interesse können sie diese noch einmal in der Geschäftsstelle anfordern. An dieser Stelle daher nur die prägnantesten Erkenntnisse:

Die Lehramtsausbildung sollte nicht nur Elemente der Sonderpädagogik aufnehmen, sondern zu einer ganzheitlichen „Pädagogik der Vielfalt“ bzw. des „Gemeinsamen Lernens“ aufgeweitet werden. An den Schulen sollten  multiprofessionelle Teams, bestehend aus Pädagogen, Sonderpädagogen, Psychologen, Sozialarbeitern, Erziehern, Heil- und Sozialpädagogen zusammenarbeiten. Neu hinzu kommt das Berufsfeld „Inklusionshelfer“ bzw. „Schulbegleitung“. Die aktuellen gesetzlichen Vorgaben zur Berechnung der Personalstellen führten durch die Pauschalierung im Bereich LES zu teilweise erheblichen Schieflagen. Insbesondere an Schulen mit einem großen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit diesen Förderbedarfen reichen die bestehenden Stellenzuweisungen nicht aus. Die Teilnehmer plädierten dafür, die Inklusion insgesamt auskömmlich zu finanzieren (mindestens wie vor Übertragung in das Regelwerk), die Mittel dafür selbständiger verwalten und am Bedarf des jeweiligen Kindes orientiert verwenden zu können. Die Zusammenarbeit der beteiligten Ministerien sollte enger werden, die unterschiedlichen Hilfesysteme sollten sich besser vernetzen und die unterschiedlichen Finanzierungsstränge sollte besser gebündelt werden.. Insgesamt sei Inklusion ein „atmendes System“, bei welchen ständig nachgesteuert werden müsse.

Als Fazit bleiben eine lebhafte Veranstaltung und viele interessante, praxisorientierte Anregungen, die hoffentlich auch Eingang in die Arbeit der Politik und des Schulministerium finden.

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